So. Wieder nix mit fernostasiatisch geheimnisvoll. Im Gegenteil - europaeisch bodenstaendig regnete es hier die letzten Wochen mal ein paar Tage gar nicht, dann kommt ein heftiger Schauer oder auch mal ein anhaltender Regen. Wann und wieviel Regen faellt ist hier grundsaetzlich genauso Smalltalk-Thema wie bei uns zu Hause im Fahrstuhl.
Allerdings ist der Regen inzwischen nicht mehr Smalltalk-Thema sondern Gegenstand dringlichster Notstands-Gespraeche. Das Land geht derzeit wortwoertlich unter. Die Wasserstaende steigen, die Reisfelder vergammeln und die Kuehe stehen in Zeltlagern an den Strassen.
In der Stadtt Phnom Penh selber bekommen wir von der dramatischen Situation wenig mit. Es regnet halt ab und an. Ok - dann regnet es sehr sehr heftig. Dann stehen die Strassen unter Wasser und an manchen Strassenecken sammeln sich ganze Seen. Aber - Stichwort fernasiatisch geheimnisvoll - muss das nicht so sein? Als unser Chef das erste mal stoehnte, wo nur das ganze Wasser herkomme war ich irritiert: es ist Monsun-Zeit, sollte ich ihm das jetzt etwa erklaeren muessen?
Es zeigte sich, dass mir erklaert werden musste, dass die derzeitigen Zustaende weder normal noch geheimnisvoll sind. Es regnet dieser Wochen mehr und heftiger als sonst. Und auch die landschaftsfuellenden Seen, die sich von den (hoehergelegten) Strassen rechts und links bis fast zum Horizont ausdehnen sind nicht jahrszeitlich monsun-typisch. Als unbeleckte Touristin habe ich das ganze Wasser gesehen und noch gedacht, wie schoen das ausschaut: all das Wasser mit ab und an herausragenden Palmen und kleinen Baum-Oasen. Das schreibt auch mein toller Reisefuehrer, aus dem ich bereits unschaetzbar viele Hinweise auf das echte Leben in Kambodscha erhalten habe. (Und der bei den echt Lebenden in Kambodscha zu unzweifelhaft viel Staunen oder wahlweise Gelaechter fuehren wuerde, koennten sie ihn lesen). Mein toller Reisefuehrer schreibt naemlich davon, wie schoen das Land zur Monsunzeit ausschaut, wenn alles gruen ist und unter Wasser steht. Die Seen bis zum Horizont habe ich also unter „oh wie huebsch zur Monsunzeit“ verbucht.
Inzwischen sehe ich, dass sich die herausragenden Baum-Oasen gelb verfaerben und absterben. Und ich weiss, dass die Reisfelder zwar unter Wasser stehen muessten – aber die Reispflanzen selber aus dem Wasser herausragen muessen. See bis zum Horizont heisst also, dass unter dem Wasser Reispflanzen stehen, die alle schon nach drei Tagen ohne Sauerstoff gestorben sind. Im ganzen Land sind bereits knapp 400 Menschen im Hochwasser gestorben, die Auswirkungen der womoeglich kommenden Seuchen werden gefuerchtet.
Und es ist kein Ende in Sicht: das derzeit in Thailand und Laos herrschende Hochwasser wird Richtung Kambodscha abfliessen und die Notlage hier im Land sogar verlaengern.
Wir im dritten Stock unseres kleinen Gluecks sind davon unberuehrt. Und waere nicht die Notsituation im Lande muesste ich schreiben, dass wir uns auf jeden Regen freuen. Denn mit dem Regen kommt Wind, es folgen spektakulaere Blitze am Himmel und etwas Abkuehlung fuer kurze Zeit. Und die saftig gruenen Reisfeldern dort, wo die Katastrophe nicht angelandet ist, sind wirklich wunderhuebsch. Das heisst dass ich trotz der diesjaehrigen Flutkatastrophe eine Reise waehrend der Monsunzeit sogar empfehlen kann.
Und keinesfalls will ich sagen, dass jede Katastrophe auch seine guten Seiten hat. Aber vielleicht kann ich an dieser Stelle anmerken, dass sich derzeit voellig neue Karrierechancen auftun. In Thailand sind Unmengen von Krokodilfarmen ueberflutet worden. Aufgrund mangelhafter Hochwasser-Sicherheitsvorkehrungen sind unzaehlige Viecher mit dem steigenden Wasser freigekommen. Die Krokodilfarmen haben Kopfgeld fuer ihre entlaufenen Tiere ausgesetzt. Naja, soll heissen: die offiziellen Farmen (die die Steuern zahlen und registriert sind) haben Kopfgelder ausgesetzt fuer lebendig zurueckgebrachte Tiere. Die anderen Farmen, die jetzt lieber nicht offiziell vorstellig werden, halten still und warten ab. Das soll im uebrigen die Bevoelkerung auch tun. Wenn jemande im Wasser auf der Hauptstrasse ein paar Krokodile sieht, soll er oder sie ganz ruhig bleiben. Es seien junge Tiere, denn nur deren Haut und Fleisch ist verwertbar fuer Taschen und Steaks.Und die lieben Tierchen seien wahrscheinlich eher verunsichert als gefaehrlich, haben sie doch noch nie in ihrem Leben selber fuer ihr Mittagessen sorgen muessen.
Wir im dritten Stock halten Ausschau und geben unverzueglich die erste Krokodilsichtung bekannt.
Bis dahin ist jedermann (und jedefrau) aufgerufen nach Thailand zu reisen und sein Glueck beim Krokodilfang zu machen!
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Mal zum Vergleich: Ein Foto im Mai 2011 vom Chef aufgenommen
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Da reisen wir doch lieber im Oktober:
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